Workshop-Tagge 1998
/ch/open WS-Tage 1998 am ITR in Rapperswil (Schweiz)
Bericht über die Workshop Tage 1998
Ohne Zweifel wird die Entwicklung einer Anwendung geprägt von der vorhandenen Rechnerumgebung, dem zur Verfügung stehenden Betriebssystem und der benützten Programmiersprache. Auf allen diesen Gebieten haben seit den Anfängen gewaltige Umwälzungen stattgefunden. Die Rechnerumgebungen zeichnen sich durch zunehmende Vernetzung von Client-Server Anwendungen bis zur selbstverständlichen Einbindung in das World Wide Web aus. Hatte früher jeder Rechnertyp sein eigenes Betriebssystem, stehen heute mit UNIX und Windows NT recht einheitliche und leistungsfähige Produkte zur Verfügung. Bei den Programmiersprachen kann man eine Entwicklung zu immer grösserer Kompaktheit und Mächtigkeit feststellen, etwa von dem an natürlicher Sprache orientierten COBOL, über ALGOL und FORTRAN zu C, C++, Java und dem eher kryptischen Perl.
An den Workshop-Tagen der /ch/open kann man sich stets über den neusten Stand informieren, Bekanntes auffrischen und Wissenslücken schliessen. Die Veranstaltung fand dieses Jahr wieder in Rapperswil statt, an dem mindestens verbal zur Hochschule erhobenen früheren Interkantonalen Technikum.
Die einzelnen Vorträge behandelten Software zur Vermittlung zwischen Server und Client (sogenannte Middleware), Probleme der Software-Verteilung bei vernetztem Betrieb, den Zugriff auf Datenbanken über das World Wide Web, Möglichkeiten und Probleme der wirtschaftlichen Nutzung des World Wide Web, UNIX-Systemadministration in heterogener Rechnerumgebung und Neuerungen im Java Entwicklungswerkzeug JDK von Sun mit erweiterten Klassenbibliotheken. Ferner gab es eine Einführung in Perl sowie eine Übersicht über besonders nützliche, allgemein zur Verfügung stehende Module. Den meisten Vorträgen waren praktische Übungen zur Festigung des erworbenen Wissens angeschlossen. Wie es sich für einen Workshop gehört, war auch ausgiebig Gelegenheit zu fachlichen Diskussionen mit den Referenten.
Für gewöhnliche Anwender unverständlich ist die Tatsache, dass UNIX-Betriebssysteme verschiedener Hersteller immer noch nicht vollständig kompatibel sind, wo es doch so viele Normierungsbestrebungen gibt. Systemadministratoren wissen viele Anekdoten über die Auswirkungen feiner Unterschiede zu erzählen, die ihnen manches Kopfzerbrechen verursachen und dafür sorgen, dass ihnen die Arbeit nicht ausgeht. Vergleicht man mit den vielen proprietären Betriebssystemen früherer Rechner, hat UNIX doch eine gewisse Vereinheitlichung gebracht, die heute von Windows NT vielleicht erzwungen wird. Windows NT ist allerdings zur Zeit weniger stabil und nicht wirklich skalierbar, daher für das Hochleistungsrechnen kaum geeignet. Da das System recht komplex ist, sind auch damit die Systemverwalter nicht überflüssig. Leider begibt man sich aber wieder in die Abhängigkeit eines Herstellers. Als Ausweg bietet sich das frei verfügbare LINUX an, von dem in letzter Zeit auch ausserhalb der eingeschworenen Fan-Gemeinde immer wieder zu hören ist.
Naturgemäss plattformunabhängig ist hingegen der Einsatz des World Wide Web. Der Zugriff auf Datenbanken über einen Browser vereinheitlicht den Gebrauch von Daten ganz wesentlich. Bei der Entwicklung entsprechender Anwendungen spielt Java und damit das zugehörige Werkzeug JDK eine wichtige Rolle, ebenso wie die in den 90-er Jahren vom Linguisten Larry Wall, nicht von einem Informatiker, entwickelte Sprache Perl. In Perl gibt es bereits unzählige, fix fertige, zwar schwer verständliche, aber frei erhältliche, nützliche Bibliotheksroutinen und Module. Die Motivation zur Entwicklung dieser Sprache muss wohl die absolute Schreibfaulheit gewesen sein, was nicht unbedingt als Nachteil zu betrachten ist.
Alles in allem waren die Workshop-Tage wiederum gut besucht. Besonderer Dank gebührt den Organisatoren. Vollgepackt mit Anregungen, bleibt nur noch, sich auf die nächste Veranstaltung dieser Art im Herbst 1999 zu freuen.
Herbert Niessner
Mathematik, Informatik

